Donnerstag, 28. Februar 2013

50. Tag - 4000 Km Marke geknackt

CYCLING AGAINST CANCER  -  MIT DEM RAD VON ORLANDO NACH SAN FRANCISCO


Do. 28.02. 2013                      50. Tag

Tagesetappe:      Winslow    -    Flagstafff

gefahrene Kilometer:                  89 Km

gesamt:                              4061   Kilometer .  

Es ist reiner Zufall. Aber nach meinen Planungsunterlagen vom vergangenen Herbst ist vorgesehen, dass ich in Flagstaff bei Kilometer 4061  eintreffe. Diese Zahl habe ich heute nun auf den Punkt getroffen.
Nun fehlen noch etwa 1800 Kilometer bis zur Golden Gate Bridge

Schnitt:      17,0 km/h                       Höhe:  2100 Meter !        ( wieder so hoch wie Springerville )


Durch die extrem trockene Luft und sternklare Nächte kühlt die Luft nachts sehr stark ab. So waren es beim Start heute morgen noch immer  minus sechs Grad.  Obligatorisch sind inzwischen Gesichtsschutz, Mütze, Handschuhe und lange Thermo-Unterwäsche.
Die Angelegenheit wav heute sehr monoton - auf der Interstate 40 schnurgeradeaus nach Westen - stets die verschneiten San Francisco Peaks vor Augen. Ganz allmählich steigt dabei das Gelände von 1400 Meter auf über 1800 Meter an.   Insgesamt mache ich aber  heute mehr als 600 Höhenmeter. Das ist ordentlich !

 Am frühen Morgen beträgt der Abstand /Luftlinie zu den schneebedeckten Bergen noch gut 100 Km.

 David gegen Goliath - wenn der mich plattfahren würde, der Fahrer würde es wohl nicht mal bemerken.

Im direkten Vergleich schneidet mein Rad natürlich wesentlich besser ab - insbesondere bei der "Milage"
und der Umweltverträglichkeit.  Zudem ist mein Bike wesentlich wartungsärmer.
Und in der Regel reicht ein Zwischenstopp bei Mc. Donald`s., um die Energiereserven wieder aufzufüllen.

Bei sonnigem Wetter und + 8 Grad erreiche ich gegen 14:30 Uhr Flagstaff. Da sich der Wind heute eine Pause  gönnte,  bin auch ich noch relativ ausgeruht, gehe erst etwas essen und beziehe dann für zwei Nächte das Rodeway Inn direkt an der Interstate 40.

Für morgen hat sich der TV-Kanal Channel 12 von Flagstaff angesagt und anschließend will ich meinen Mietwagen bei Car Enterprises bezahlen, damit ich am Samstag schneller hier wegkomme.
Die Wetteraussichten für die kommenden 7  Tage sind ausgezeichnet, so dass ich mir ein umfangreiches Ausflugsprogramm zusammenstellen werde.
Am Nachmittag werde ich auch nach Flagstaff Downtown radeln, da dieser Ort eine nette Innenstadt hat.
  



 

 

Mittwoch, 27. Februar 2013

Interstate 40

CYCLING AGAINST CANCER   -   MIT DEM RAD VON ORLANDO NACH SAN FRANCISCO


Mi. 27.02. 2013                      49. Tag

Tagesetappe:                Holbrook       -      Winslow

gefahrene Kilometer:                59  Km

gesamt:                                 3972  Km

Schnitt:              20,1 km/h                                    Höhe:   1488 Meter

Ich bin heute morgen nur noch knapp 150 Kilometer von Flagstaff entfernt. Flagstaff ist der ideale Ausgangspunkt für Ausflüge an den Grand Canyon im Norden oder Sedona im Süden.
Da sich diese Etappe nicht an einem Tag bewältigen lässt, benötige ich ein Zwischenziel; und dieses kann nur Winslow an der Interstate 40 sein. Da es bis dorthin jedoch nur rund 60 Kilometer sind, lasse ich mir heute viel Zeit und starte erst gegen 10 Uhr bei Sonnenschein und  + 4 Grad. Die  Luft ist derzeit noch kalt, so dass  auch nachmittags kaum 10 Grad im Schatten zu erwarten sind. Endlich fällt auch der Wind nicht ins Gewicht.

 Meine Strecke führt mich heute und morgen lediglich entlang der Interstate 40.  Ausweichrouten nach Flagstaff gibt es leider nicht.

Typisch entlang der Interstates ist die XX-L Werbung am Straßenrand.  Wer genau hinschaut, sieht ganz links am Horizont schneebedeckte Berge. Dort liegt mein Ziel :   Flagstaff



 Vor mir  steht ein Truck  mit einer Panne auf dem Seitenstreifen.  Der Seitenstreifen auf der Interstate ist extrem breit, so dass ich einen großen Abstand zum fließenden Verkehr halten kann. Allerdings ist die  Qualität  der Asphaltoberfläche dieser Seitenstreifen sehr unterschiedlich - von gut bis katrastrophal.
Da nur wenig Verkehr ist, würde ich manchmal sehr gerne auf die Fahrbahn wechseln; aber das wäre verboten und dann doch zu gefährlich.  
Bei dem  schneebedeckten  Gebirge hinter Flagstaff  handelt es sich um die San Francisco Peaks, eine Vulkanregion mit einer Höhe von bis zu 3850 Metern. Bei der klaren, trockenen Luft ist es unschwer, dieses Gebirge schon aus einer Entfernung von 150 Km am Horizont auszumachen.

Morgen besteht mir demnach eine längere Tour auf der Interstate 40 bevor, zumal ich auch noch von derzeit knapp 1500 Metern auf  rund 2100 Meter klettern muss. Flagstaff  ist  neben Williams die letzte so hoch gelegene Stadt meiner USA - Tour.
Ich habe online die Reservierung meines Wagens vorgezogen, so dass ich am Samstagvormittag das Rad für ein paar Tage einmotten kann.  Am Freitag werde ich meine Ausflugstour zusammenstellen, wobei ich mich auch hierbei nach den Wetteraussichten richten werde.
 Hier in Winslow bin ich im Rodway Inn untergekommen. Ein nettes großes Zimmer mit zwei Betten, schönes Bad, Fernseher, Kaffeemaschine und ein Tisch mit zwei Stühlen.  Dazu  freies High-Speed Internet und kostenloses Frühstück so viel man mag.  Preis:   34 Euro.  Auf dem State Park eine Meile östlich hätte ich zwar nur 11,50 Euro bezahlt - aber ohne all die Annehmlichkeiten.  Und so lange meine Erkältung anhält, ziehe ich dem Zelt ein Motel  gerne vor.  Aber spätestens in 14 Tagen wird es auch bei mir warm, dann verlasse ich die Gebirgsregionen und komme Richtung Las Vegas tief hinunter auf etwa 400 Meter. Dort gibt es schon jetzt tags über + 20 Grad. Sonnige Aussichten. 

Dienstag, 26. Februar 2013

Petrified Forest Nationalpark

CYCLING AGAINST CANCER  -  MIT DEM RAD VON ORLANDO NACH SAN FRANCISCO


Di. 26.2.2013                      48. Tag

Etappe: Südeingang - Petrified Forest National Park - Holbrook

gefahrene Kilometer:       97 Km

gesamt:                        3913 Km

Schnitt:        14,7 Km/h                                    Höhe:   1600 Meter

Minus 6 Grad am Morgen - dennoch passiere ich gegen 9:00 Uhr den Südeingang zum Nationalpark.
Auf einer gut asphaltierten Strecke von rund 50 Kilometern Länge gibt es hier ne Menge zu bestaunen.




Bäume, ganze Wälder, die vor rund 200 Mio. Jahren hier einmal gelebt haben, sind inzwischen zu Stein
geworden und liegen frei zugänglich umher.


Regenbogenfarbenes auskristallisiertes Holz

 Versteinertes Holz - so weit das Auge reicht.







Auf dem Weg zur  Blue Mesa - eine besondere Attraktion des Nationalparks










                                          "Agate Bridge" - mit Beton unterfüttert, damit der Stamm  erhalten bleibt.


 Eine Fahrt und einige kurze Trails hier im Nationalpark sind ein ganz besonderes Erlebnis  in den USA.
Auch wenn der kalte Wind  wieder mal etwas der Spielverderber war - mehr als + 6 Grad waren nicht drin.
Trotzdem entscheide ich mich gegen 16:30 Uhr nach Erreichen des Nordausgangs dazu, die Nacht im Motel 6 in Holbrook zu verbringen. Dazu muss ich erstmals für gut 2 Stunden auf die Interstate 40. Eine Alternative gibt es nicht.  Auf dem breiten Seitenstreifen ist das Radfahren erlaubt. Der Verkehr ist gering, und so ist es eigentlich egal, ob du auf einem Highway oder einer Interstate fährst. Von der Optik her gibt es keinen Unterschied.  Als ich das Motel erreiche , ist es dunkel. Ein toller Tag.












Nutze windfreie Zeit

CYCLING AGAINST CANCER  -  MIT DEM RAD VON ORLANDO NACH SAN FRANCISCO


Mo. 25.02.2013                         47 Tag

Tagesetappe :             Springerville /AZ    - Südeingang Petrified Forest Nationalpark

gefahrene  Strecke:           103  Km

gesamt:                             3816 Km

Schnitt:               18,0                              Höhe:  1640 m

Schon gegen 7:30 Uhr gestartet; allerdings bei klarem Himmel und knackigen minus 5 Grad.
Da der Wind heute ausnahmweise keine Rolle spielen soll, nehme ich mir vor, auf dem Highway 180 bis zum Südeingang des Petrified Forest National Parks zu radeln. So wäre ich 400 Meter tiefer und  hoffentlich raus aus dem Schnee. Gleichzeitig könnte ich am Dienstag den ganzen Tag im Park verbringen. 

                                Ich hatte es warm in der Nacht -  und ihr ?


                               Verschneite Winterlandschaft oberhalb 1800 Meter Höhe

 400 Meter tiefer gehts - hoffentlich ist es dort etwas wärmer.



 Tatsächlich - bis auf einige Schneereste im Schatten, ist der Schnee weg.  Mittags + 8 Gad. Sonne.

 Bin nur voch 10 Kilometer vom Südeingang weg - aber außer Steppe ist noch nichts zu sehen.

Doch kurz dasrauf ist das Ziel erreicht und freundlicherweise ist das Zelten unmittelbar vor dem Eingang erlaubt. Wie so oft bin ich der einzige Camper - Duschen oder  Toiletten Fehlanzeige. 

Sonntag, 24. Februar 2013

Zwangspause und Erinnerungen an Waldenström

CYCLING AGAINST CANCER  -  MIT DEM RAD VON ORLANDO NACH SAN FRANCISCO


So. 24.02.2013                       46. Tag



Das ist der Blick aus meinem Fenster des Rode Inn Motels in Springerville heute morgen 7:00 Uhr



.......und das die Main Street des Ortes.  Und was sagt uns das ?   Ich werde heute hier bleiben müssen.
.......einkaufen, entspannen, Vorbereitungen treffen.

Gegen Mittag hört der Schneefall auf - es ist windig und die Lufttemperatur beträgt minus 1 Grad.
Morgen sollte es bei leichtem Wind sonnig werden. Sollten die Straßen frei sein, würde ich gegen 7:00 Uhr starten und versuchen, den Südeingang des Petrified Forests zu erreichen. Dieser Nationalpark liegt immerhin rund 400 Meter tiefer als Springerville.
So allmählich profitiere ich davon, dass ich anfangs meinem Zeitplan vorausgefahren bin.

Was meine Kilometerleistung von mehr als 3700 Kilometern anbelangt, so entspricht dies übertragen auf  Europa inzwischen einer Entfernung vom Nordkap bis hinunter nach Mailand. Das hätte mir vor drei Jahren einer sagen sollen, dass ich mit meiner Krankheit nochmals auf die Beine komme und solche Marathon-Touren unternehmen werde.
Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, als damals ein Oberarzt ganz offen zu mir sagte "Herr Grimme, Sie sind sehr, sehr krank".   Als Betroffener war mir das lange gar nicht so bewusst, weil Waldenström  keine Krankheit ist, die dich so auf die Schnelle um die Ecke bringt. Waldenström schleicht sich  an; du hörst ihn nicht; du siehst ihn lange nicht. Und vor allem, du  als Betroffener kennst Waldenström nicht - ein unsichtbarer Feind also.   Und was man nicht hört und nicht sieht, das verdrängt man gerne. Es tut ja nicht weh.  Vor Unbekanntem hat der Mensch Angst - will oft gar nicht wissen, was sich hinter dieser Bezeichnung genau verbirgt. Dieses Kopf - in- den - Sand - stecken geht oft jahrelang gut, bis Waldi deinen Körper schon extrem geschwächt hat.
Damals musste ich sogar auf die Intensiv; jede noch so kleine Infektion hätte mich wohl getötet.  Blutkonserven und Antibiotikum waren an der Tagesordnung.
Und trotzdem habe ich zu diesem Zeitpunkt meiner Frau versprochen, bis zum Sommer wieder fit zu sein.
Ich selbst habe fest daran geglaubt, dass ich die Kurve kriege. 
Nun sind fast drei Jahre seit der letzten Chemo vergangen, nehme keinerlei Tabletten und habe auch keine Symptome. Irgendwann wird mich Waldi wieder attackieren - aber dann ist er für mich kein unsichtbarer Feind mehr, vor dem man sich zu fürchten hat. Heute lebe ich mit ihm und spüre sofort, wenn er mich wieder ins Visier nehmen möchte.

Woher der Name "Waldenström" kommt ?  Dieser leitet sich ab vom schwedischen Arzt Jan Gösta Waldenström, der im Jahre 1944  erstmals eine solche Fallgeschichte beschrieb. 

Samstag, 23. Februar 2013

FAZIT: NEW MEXICO

Hier ein kurzes Fazit:


Tage in New Mexico :                   12

gefahrene Kilometer:                699 Km

längste Tagesetappe:                123 Km   am 15.02.

Stunden auf dem Sattel:            53 Stunden

 Höhenmeter:                            3292 Meter

Temperaturen:                        max.   +16    Grad               min. - 8    Grad  (Zelt)  -11 Grad (Motel)

Niederschlag:                      12.02. früh 1 Std Gewitter        21.02. früh 1 Std Schneefall

Gesundheit:                       seit Valley of Fires erkältet;  Nase frei; Husten hält sich in Grenzen
                                         ... es besteht Hoffnung auf Besserung

Pannen:                             keine in New Mexico

positiv:                              gute Straßen
                                         bislang noch keine gefährliche Verkehrssituation

negativ:                             weitgehend öde Wüstenlandschaften
                                         alles eingezäunt
                                        der permanente Gegenwind

"Freunde fürs Leben" - der Wind und ich

CYCLING AGAINST CANCER  -  MIT DEM RAD VON ORLANDO NACH SAN FRANCISCO

Sa. 23.02.2013                                     45. Tag

Tagesetappe:               Quemado    -     Springerville           

gefahrene Kilometer:                  75 Km

gesamt:                                  3713  Kilometer

Schnitt:          11,0 Km/h                          Höhe:   2134   Meter


Sehe gerade , dass inzwischen 17 User meiner Anregung auf dem letzten Post (ganz unten )  gefolgt sind und mein Motelzimmer von innen inspiziert haben.  
Habe heute rund 80 Kilometer vor mir und sollte eigentlich relativ früh wegfahren. Die Sonne scheint vom blauen Himmel - doch draußen sind noch   minus 11 Grad. Also warten wir noch zwei Stunden.
Aktuell ist es noch windstill. Ich werde heute nur Richtung Südwesten auf dem Highway 60 unterwegs sein.
Nun schaue ich mal schnell, was der Wetterbericht zum Wind meint.   War ja klar - der Wind orientiert sich an meiner Fahrtroute, die auf Kartenblatt 18 eingezeichnet ist.  Es ist Südwestwind bis 21 Km/h zu erwarten.
Ich glaube, wir werden noch "Freunde fürs Leben".

Gegen 9:00 Uhr breche ich bei - 4 Grad auf. Herrlich - für ganze zwei Stunden fahre ich bei absoluter Windstille;  keine störendenden Fahrgeräusche. Da macht es nichts, wenn ich zunächst 250 Höhenmeter zu machen habe.  Selten mal ein Fahrzeug auf dem Highway 60 unterwegs.

 Straße, so weit das Auge reicht    - wieder über 2300 Meter Höhe

Um 13:15 Uhr ist  mit Arizona der 7. Bundesstaat meiner Tour erreicht   - Höhe  2254 Meter
Temperatur aber nur + 3 Grad.

Kaum Arizona erreicht, schon dominiert roter Sandstein

Ein ständiges Auf und Ab - und das bei Gegenwind. Trotzdem landschaftlich interessant

... und viele Farbnuancen auf kleinem Raum

Hier in Springerville werde ich erneut ein Motel aufsuchen. Ab morgen geht es dann Richtung Holbrook und zum ersten Nationalpark meiner Tour. Der Petrified  Forest National Park ist ein Naturwunder. Dort liegen  unzählige versteinerte Baumstämme frei zugänglich herum  -  220 Millionen Jahre alt.

Der Wind nimmt gegen Abend schon deutlich zu. Für morgen sind 47 Km/h Gegenwind angesagt. Die Temperatur soll bei Null liegen. Wahrscheinlich werde ich hier 2 Nächte bleiben müssen.  Der Sonntag ist wettertechnisch der Tiefpunkt - ab dann wird es hier hoffentlich Frühling.

Habe gegen Abend zunächst mal eine Nacht im Rode Inn Motel Springerville genommen. Will morgen erst mal die Nase vor die Tür strecken, um zu  sehen, ob ein Fahren tatsächlich unmöglich ist.

Alles vom Besten. Allerdings incl. Frühstück mit 52 Euro nicht gerade billig.  

Freitag, 22. Februar 2013

Kontinentale Wasserscheide

CYCLING AGAINST CANCER  -  MIT DEM RAD VON ORLANDO NACH SAN FRANCISCO

 Fr. 22.02.2013                44. Tag

Tagesetappe:                    Datil    -    Quemado

gefahrene Kilometer:           70         km

gesamt:                    3638   km

Schnitt:           11,5  Km/h                                    Höhe:   2096 Meter
 
Gut,ein warmes Zimmer zu haben, denn die Nacht war mit minus sieben Grad wieder eisig. Deshalb lasse ich mir mit der Weiterfahrt auch noch Zeit und frühstücke in der urigen Wirtschaft der Eagle Guest Ranch.
Als ich nun gegen 10 Uhr auf den Sattel sitze, liegen die Temperaturen noch immer um den Gefrierpunkt und auch der Wind bleibt mir netterweise in  seiner Beständigkeit treu. 

 Erstmals seit langer Zeit wird die Landschaft wieder interessanter. Während bei uns in den Alpen die Waldgrenze etwa bei 2300 Metern verläuft, gibt es hier in dieser Höhe erstmals wieder richtige Bäume.
In diesen Höhenlagen fällt eben etwas mehr Niederschlag.


Gegen Mittag erreiche ich hier in den Datil Mountains den höchsten Punkt meine Radtour quer durch die USA. Das Navigationsgerät zeigt mir 2481 Meter Höhe an. Welcher Bergpass in den Alpen käme in etwa dieser Höhe gleich ?


Bei plus zwei Grad mache ich hier Mittagspause unter einem "Alligator Juniper"
Interessant ist die grobe Struktur seiner Baumrinde, an dem das Fahrrad lehnt.


Kurz nach dem Pass erreiche ich auch die kontinentale Wasserscheide. Das Regenwasser östlich davon fließt  letztendlich in den Golf von Mexiko. Das Wasser westlich davon gelangt am Ende in den Pazifik.
Ein Zeichen dafür, dass ich meinem Ziel gar nicht mehr so weit entfernt bin.


Während der eine Zeitgenosse Briefmarken sammelt, findet der andere eher Gefallen an Windrädern.
Warum denn nicht ? Die sieht man wenigstens im Vorgarten. Am späten Nachmittag trudle ich in dem kleinen Ort Quemado ein und beziehe Quartier im einzigen Motel dieser "Metropole".

Eines der bisher schönsten Zimmer hier im Motel Largo - geräumig, sehr sauber, ordentliches Bad und endlos warmes Wasser unnter der Dusche. Das  ist richtig angenehm, zumal es draußen aktuell minus sechs Grad sind - und das um 20: 00 Uhr !

Wieder mal Langeweile, Samstag eben, dazu noch immer schlechtes Wetter ?

Hier die Lösung:  Gehe zu Google Maps, gebe Quemado und Motel Largo ein.  Anschließend betätige rechts Street - Map - Funktion.   
Jetzt stehst du direkt vor meinem Motel (westlicher Ausgang des Ortes).  Betätige nun links oben angebrachte kreisrunde Funktion "Richtungsänderung" um 90 Grad nach links und du schaust jetzt direkt auf die Zimmer, die parallel zur Straße verlaufen. Ich habe Zimmer 31, die vierte Tür von rechts.
Zoome meine Tür nun so nah heran, bis sich an meiner Tür ein Eingabefald öffnet. Trage dort die Zahl 31 ein.
Jetzt hast du ungehinderten Zugang zu meinem Zimmer und kannst dich darin frei bewegen. Viel Spaß.   

Gedanken beim Pedale treten

Möglicherweise werden einige von euch beim Lesen der Posts die Frage stellen, warum tut sich dieser Kerl das nur an ? 
Gewiss eine berechtigte Frage, besonders wenn ich an die anstrengenden Tagesetappen der letzten zwei Wochen zurückdenke.
Oder so wie gestern, als ich dick vermummt gegen den kalten Wind anfahre. Mein Gesichtsfeld ist extrem eingeschränkt, der Blick meist nach vorn unten gerichtet. Automatisch taste ich wie mit einem Laser den vor mir liegenden Asphalt ab - stets auf der Suche nach Scherben, Schrauben oder Nägeln. Und davon gibt es auf den Highways mehr als genug. 
Manchmal zähle ich auch die Pedalumdrehungen von der einen bis zur nächsten Meilenangabe am Rande des Highways. Ein niedriger Wert von rund 250 Umdrehungen pro Meile signalisiert mir ein schnelles Vorankommen. Sind es aber 400 bis 500, dann habe ich ein Problem. Manchmal erlaube ich mir, den Wert hochzurechnen und komme so zur Erkenntnis, dass ich z.B. gestern für die 59 Kilometer rund 17.000 Pedalumdrehungen benötigte. So bleibt man geistig rege !
Verliere ich am Zählen das Interesse, dann male ich mir gelegentlich aus, worauf ich mich nach der Rückkehr Mitte April wohl am meisten freue. Natürlich auf meine Frau und meinen Sohn, aber auch auf die vielen schöne Sommertage in unserer "Toskana". Auf ein Stück Käsekuchen von Annemarie, den besten der nördlichen Hemisphäre ,auch auf die leckeren Schneckennudeln von Susanne oder auf ein gutes Glas Rotwein mit Freunden.
Es gibt so vieles, das ich auf dieser Tour vermisse - aber das ist gut so. Gut deshalb, weil ich freiwillig für eine absehbare Zeit auf viele Annehmlichkeiten verzichte, die zu Hause eben selbstverständlich waren.
All dies bekommt während dieser Radtour einen neuen Stellenwert.

Aber hinter dieser Cycling-Aktion quer durch die USA steckt ja noch viel, viel mehr. Seit meiner Krankheit und der nachfolgenden Pensionierung ist mir bewusst geworden,wie wichtig es ist, sich regelmäßig neue Ziele zu setzen. Ohne soche Zielesetzungen - sei es im privaten oder beruflichen Bereich oder aber in der Freizeit - vergeudest du wertvolle Zeit und dein Leben zieht an dir vorüber. 

Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich nun seit fast 8 Jahren dem Herrn Waldenström erfolgreich paroli bieten konnte. Wichtig hierbei ist wohl auch die Einstellung, die man zu diesem "Herrn" entwickelt. Auch das ist ein Grund, der mich zusätzlich motiviert, Mitte April auf der Golden Gate Bridge zu stehen, ohne dass mir Waldi während der langen Reise quer durch die Staaten zu nahe kommen konnte. 
Lässt die Motivation unterwegs einmal nach - so wie diese Woche geschehen - dann darfst du nicht resignieren, sondern musst neue Impulse setzen, die die wieder antreiben.

Deshalb habe ich mir für Anfang März für 5 Tage in Flagstaff einen Wagen gemietet oder am 18. März für zwei Tage ein Hotelzimmer in Las Vegas genommen. Diese Eckdaten auch einzuhalten, sind neue Motivation auf dem Rest der Reise.
Vielleicht überbrücke ich auch tatsächlichlich eine kurzes Teilstück - vom Flagstaff bis nach Kingman - mit dem Wagen, da in dieser Region ebenfalls noch Schnee liegt. Auch dieser Gedanke ist für mich inzwischen  kein Tabu-Thema. Eigentlich ist es doch egal, ob ich am Ende 5000, 5500 oder 6000 Kilometer gefahren bin. Bin ich noch vor drei Jahren kaum eine Treppe im eigenen Haus hinaufgekommen, so habe ich eigentlich schon jetzt nach rund 3500 Kilometern gezeigt, dass ich meine alte Leistungsfähigkeit wiedererlangt habe.

Ganz besonders am Herzen liegt mir jedoch, den vielen anderen Krebs- und Leukämiepatienten zu vermitteln,dass eine Chemo nicht unbedingt mit einer dauerhaften Einschränkung der Lebensqualität einhergehen muss. Sich immer wieder zu motivieren - das ist die Kunst, die es zu erlernen gilt.

Ein halbes Jahr Vorbereitung auf diese Tour - Training und Organisation - haben mich mental enorm gestärkt.
Wenn ich dann Anfang April  Morro Bay am Pazifik erreiche, dann folgt mit dem Highway 1 die Kür bis hoch nach San Francisco. 
Und dann fliege ich in der Gewissheit nach Hause, dass ich noch diese Jahr mein nächstes Projekt in Angriff nehmen werde.

Donnerstag, 21. Februar 2013

Let`s go west again

CYCLING AGAINST CANCER - MIT DEM RAD VON ORLANDO NACH SAN FRANCISCO


Do.  21.02.2013            43. Tag

Tagesetappe:         Magdalena / NM      -   Datil

gefahrene Kilometer:     59

gesamt:               3568     Km

Schnitt:                        9,5    Km/h                  Höhe:  2260 Meter



                                Böse Überraschung am frühen Morgen:  minus 5 Grad und Schnee

Habe  zwar Marathon-Plus Spezialreifen aber leider keine Spikes. Laut Wetterbericht sollte  aber eine Weiterfahrt nach dem Frühstück am späteren Vormittag möglich sein.
Nach einem guten Frühstück - 2 Spiegeleier mit Schinken und Toast  und mit Kaffeewasser aus der Spülmaschine starte ich um 9:00 Uhr meinen Versuch, bis nach Datil zu gelangen.
Als ich auf den Highway 60 nach Westen einbiege, sehe ich, dass inzwischen zwei heimkehrende Schneepflüge  den Highway geräumt haben. Den Rest erledigt die Sonne und die extrem trockene Luft am frühen Vormittag.
Ich habe mir nun fest vorgenommen, nicht mehr viele Worte über den Wind zu machen. Ich wusste vor Beginn der Tour, dass ich verkehrt herum in der Westwindzone unterwegs bin. Auf die Gründe hatte ich ja schon in einem alten Post hingewiesen.  Und der heutige Schnitt von gut 9 Km/h sagt mehr als Worte. 
Erstaunt bin ich allerdings über die Intensität und die Beständigkeit dieser kalten Westwindströmung.
Aber da muss ich nun durch. Gewiss hätte ich heute auch drei, vier Stundenkilometer schneller unterwegs sein können - ab wegen meiner Erkältung will ich kein Risiko eingehen. Eine Herzmuskelentzündung wäre fatal. 
 Entsprechend fahre ich ganztägig dick vermummt Richtung Westen. Vom Gesicht ist nicht viel zu sehen -  Gesichtsschutz, Mütze.  Selten mal ein Wagen, der mich überholt.



Während der Mittagspause zeigt das Thermometer gerade einmal + 4 Grad (  gefühlt 10 Grad weniger)


Auf dem Rest-Area wird vor Giftschlangen gewarnt - aber bei den Temperaturen wohl kaum.
Was das Umweltbewußtsein der Amerikaner betrifft, müssen wir Deutsche uns nicht verstecken. Hier wird Hausmüll entsorgt und viele Nebenstraßen, die nicht regelmäßig gesäubert werden, sind zu reinen Müllhalden verkommen.
Lassen wir den Müll  schnell hinter uns und steuern Datil an. 



Der Ort besteht aus einer Handvoll Holzhütten  mit rund dreißig Einwohnern. Da ich ja erkältet bin, möchte ich bei den eisigen Temperaturen die Nacht nicht unbedingt im Zelt verbringen müssen. Deshalb ist für mich die Eagle Guest Ranch interessant. Von außen macht der Store mit Tankstelle keinen besonderen Eindruck. Aber ich hatte im Internet herausgefunden, dass man hier dennoch gut übernachten könne. Außerdem sollte man unbedingt das Ribeye 1  wrapped in bacon probieren. Da ich eh vom vielen Fast Food etwas die Nase voll habe, geht wenig später die Bestellung raus - noch bevor ich überhaupt auf meinem Zimmer war.
....und vor dem Essen noch schnell ein Dunkles - man schwitzt ja tagsüber viel raus.

Ich kann nur sagen, die Empfehlung im Internet hatte nicht übertrieben..... und zum Nachspülen noch ein zweites Bierchen.  Ein paar Tage hier eingeschneit und ich hätte mein Normalgewicht wieder.

Montag, 18. Februar 2013

Entscheidung zugunsten der Vernunft + Nachtrag

Der amerikanische Wetterbericht www.weather.com  hat für mich erschreckende Aussichten.

Meine nächstes Ziel wäre eigentlich  Datil Well, ein Campground in 2250 m Höhe. Dort gibt es aber weder Dusche noch fließend Wasser. Sehe gerade, dass es in Datil einen Store mit Übernachtungsmöglichkeit gibt.   Entfernung:   58 Km
Den zu erreichen sollte morgen kein  Problem sein. Der Wind  soll aus Süd-Südost kommen - mit einer  Windgeschwindigkeit von 47 Km/h;  in Böen bis 65 Km/h. Das könnte mich evtl.sehr rasch voranbringen, da ich überwiegend West - Nordwest fahre.
Bleibe ich eine Nacht in Datil Well, dann komme ich dort oben nicht mehr weg.

Siehe Windgeschwindigkeiten für Datil Well:

                     Mi.              53 Km/h   SSW
                     Do.              27 Km/h  WNW
                     Fr.                31 Km/h  NW
                     Sa.               24 Km/h  SW
                     So.               35 Km/h  W 
 
Das sieht übel aus.

Die Alternative wäre, morgen bis zum 128 Kilometer entfernten Quemado durchzufahren. Dort in diesem kleinen Ort hätte ich zumindest wieder ein Motel - Campgrounds gibt es nicht. Von dort wäre es auch nach Springerville nicht mehr weit.

Fahre ich morgen gar nicht, dann hänge ich evtl. hier eine Woche fest und könnte meine Erkältung auskurieren.
Fahre ich, dann kann ich nach ein paar Kilometern abschätzen,  ob einer Tour nach Quemado möglich ist.
Notfalls breche ich ab, fahre hierher zurück und handle einen Langzeittarif aus.

 NACHTRAG:

7:00 Uhr:  Der Wetterbericht sagt für heute nun doch Gegenwind bis 35 Km/h voraus.
                   Ich habe mich deshalb entschieden, zwei weitere Nächte hier im Motel in Magdalena   
                   zu  bleiben. 
                  Vielleicht bekomme ich dann wenigstens meine Erkältung mit den    
                   Medikamenten  aus der  Walmart-Pharmazie in den Griff.  

Eine Weiterfahrt ist nun für den Do.  21. Februar geplant 

20.02.2013     Da ist er nun, der psychische Knacks, der ja irgendwann kommen musste. 
                        Zum einen  schleppe ich noch immer meine Erkältung mit mir herum, so dass ich   
                        jetzt ganze zwei Tage überwiegend im Bett verbracht habe. Zum anderen gesellt 
                        sich          dazu die Einsicht, dass es auf Dauer frustrierend ist, immer gegen einen 
                        übermächtigen  Gegner - den Wind -   anzufahren. Bei einem Schnitt von rund       
                        9 Km/h  kommt nur herzlich wenig Freude auf. Anfang März will ich in Flagstaff 
                        sein, wo gegenwärtig Schnee liegt.
                       
                       Um meine Laune und Motivation etwas zu heben, habe ich mir in Flagstaff für einige
                       Tage einen Wagen reserviert. So kann ich einen Abstecher zum Grand Canyon und
                        ggf. zum Monument Valley machen. Zudem werde ich am 18. März für zwei Nächte
                        in Las Vegas nahe am Strip residieren. In sofern steht der Fahrplan bis Mitte April.
                        Im Nachhinein zeigt es sich, dass es klug war, in den ersten Wochen große 
                        Tagesetappen zu fahren. Nun kann (muss) ich auch mal ein paar Gänge 
                         runterschalten, ohne gleich in Zeitverzug zu geraten.
                         

Sonntag, 17. Februar 2013

Grenzwertig

CYCLING AGAINST CANCER  -  MIT DEM RAD VON ORLANDO NACH SAN FRANCISCO

Mo. 18.02. 2013                                40. Tag

Etappe:                            Socorro    -   Magdalena

gefahrene Kilometer:   47Km

gesamt:                   3509 Km

Schnitt:                9,7 Km//h                           Höhe: 1987 m


Am gestrigen Abend habe ich mir dem Wetterbericht für die kommenden 5 Tage angeschaut. Da kommen Windgeschwindigkeiten vom bis zu 50 km/ Stunde im Laufe der Woche auf mich zu.  Zudem komme ich in Regionen bis 2400 Meter und es soll deutlich kälter werden. Unerfreuliche Aussichten also.

Auf Grund dessen und wegen meiner Erkältung werde ich demnach kürzer treten und fahre deshalb nicht bis Datil Well, sondern werde nach rund 50 Kilometern in Magdalena Station machen. Zeitlich bin ich eh gut im Rennen.
Nach mehr als 1000 Km auf dem Highway 380 endet diese nun hier in Socorro und ich werde auf dem Highway 60 weiterfahren.


Nach guter Nacht fahre  ich morgens zum Einkaufen bei Walmart in Socorro und starte einen Höllentrip gegen 9 Uhr. Das Wetter ist fantastisch - der starke Nordwestwind auch. Zunächst geht es auf den ersten
25 Km stetig rund 400 Höhenmeter bergauf. Mit 5 Km/h hätte ich auch gleich schieben können.

Die Flagge von New Mexico ist schön anzusehen. Nur brutal unangenehm, wenn dieser Wind genau dir ins Gesicht bläst.

 Highway 60 W  - es steigt und steigt und steigt

Über 1800 Meter Höhe breitet sich ein weite, leicht ansteigende Hochebene aus. Der Wind ist brutal.
Kein Baum, der Schutz bieten könnte. Nur braunes Gras. Ein Einheimischer meint, dieses Gras sei seit etwa drei Jahren nicht mehr grün gewesen. Der Regen bleibt immer mehr aus. Und was die Zäune entlang der Straße angeht, ist dem Farmer von Gesetz vorgeschrieben, seine riesigen Areale einzuzäunen -ob er nun Rinder hat oder nicht.

Aktuell fahre ich im Kartenblatt 17 von 26 - das bedeutet rotes T-Shirt.
 Gegen 15 Uhr erreiche ich im absoluten Schneckentempo den kleinen Ort Magdalena in rund 2000 Metern Höhe. Ich öffne die Tür zu meinem Motel für 33 Euro; lege mich sofort auf das Bett und schlafe zunächst mal für eine Stunnde.  Das sagt alles !  Nur 47 Km.

                                           Auch hier alles sehr sauber.

Im Walmart - Pharmazie hatte ich mir gegen Erkältungskrankheiten diverse Mittelchen gekauft - hoffentlich helfen diese